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   Aller Anfang  

Im Zweifelsfall ist es immer ein guter Anfang, wenn man dort hingeht, wo man schon gewesen ist.


(Albus Dumbledore)

Das Papier verlinken 15.1.10 22:48, kommentieren

 Stummfilm


 

Es ist kühl. Ich atme ruhig und lehne an der leicht feuchten, kalten Wand. „Wo bist du?“, frage ich in die Dunkelheit. Die Antwort bleibt aus. Meine Hände tasten an dem steinigen Nichts entlang. An meinen Fingern bilden sich krümelige Rückstände. Ich weiß genau, dass du da bist. Ich gehe weiter an der Wand entlang und blicke in den endlosen Raum. Von meinen Schuhen ist ein Geräusch zu hören, als hätte ich harte Sohlen. Man kennt es aus früheren Filmen. Dieses wundervolle, schlürfende Geräusch, wenn Kinder mit alten Halbschuhen über trockene Straßen laufen. Die Farben in den Filmen sind meist matt und irgendwie kraus. Diese alten Dinge magst du nicht so gerne. Ich bleibe stehen, kann die Umrisse deines Gesichtes sehen, welche durch ein erfundenes Fenster erhellt scheinen. „Wusstest du, dass dieser Ort so sein kann, wie du ihn gern hättest?“ Meine Worte klingen dumpfer und sie scheinen ein nicht mehr ganz so starkes Echo auszulösen. Langsam gehe ich auf dich zu, ohne dich von mir weg scheuchen zu wollen. Deine Augen sehen anders aus als sonst. Du bist mit deinem Kopf weit weg und ich bin mir nicht sicher, ob du mir überhaupt zuhörst. „Hättest du gerne rote Wände? Sie können für dich so erscheinen, wenn du es willst. Ich lag hier auch schonmal auf einer grünen Wiese. Aber es kann nur für Sekunden bestehen. Der Ort ist nicht für > Unwahrheiten < gemacht. Es wird dich mit einem lauten, leisen Knall auf den Boden der Tatsachen bringen. Aber du kannst es ja mal versuchen, wenn du dich traust.“

 

   Unruhige Töne    

Du bist dort und ich bin hier –
Welten daneben.

 

Ich greife nach deiner Hand. Sie fühlt sich etwas feucht an, als wenn du nervös wärst. Aber du scheinst die Ruhe selbst zu sein. „Vielleicht solltest du mal deine Gitarre mit hier her nehmen. Könnte in dieser Endlosigkeit schön klingen.“ Ich schaue dir in die Augen. Du scheinst durch mich durch zu sehen. Na wenigstens schaut er in meine Richtung – denke ich still vor mich hin und stoße dabei einen kaum merklichen Seufzer aus. Deine Hand umfasse ich mit beiden Händen. Ich kann fühlen, wie die sandigen Körner von der kalten Wand zwischen unserer Haut reiben. Erwartungsvoll schaue ich dich an - „Umarmst du mich?“ - und die Antwort schallt stumm durch die Halle.

1 Kommentar Die Löwin verlinken 16.1.10 01:02, kommentieren

Manchmal bin ich ruhig



 




Ich weiß nicht mal, wie lange du schon neben mir sitzt und meine Hände hälst. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat oder ob es überhaupt einen Anfang gab, aber du tust es oft. Ich schweige dich an.

 

    Etwas, das du schon weißt  

Ich schweige immer, wenn es mir schlecht geht.


Du möchtest am liebsten, dass ich dir antworte, aber so leicht ist das nicht. Für mich ist das dann wie eine Mutprobe und zugleich eine auswegslose Situation. Ich erinnere mich an gestern Abend.

~ Ich stehe vor dem Kamin und lege meine kalten Hände vorsichtig zum Wärmen auf die Platten. Am Tisch sitzt mein Vater, meine Stiefmutter ist halb-sitzend auf dem Sofa, zwischen ihnen bestimmt drei Meter Entfernung und trotzdem reden sie beide auf mich ein. Ein Zwei-Seiten-Angriff. Irgendwann spüre ich nicht mehr die Hitze des Kamins, sondern nur noch traurig warme Tränen auf meinen Wangen. Später schlafe ich öfters ein und wache wieder auf. Mal mit Tränen und mal ohne. ~

 

   Was sie mich fragten  
und ich darauf antwortete

„Hast du denn eine Lösung dafür?“
„Ich habe keine Ahnung.“


 

Ich sehe diese Augen vor mir, die wie Steine aussehen. Das Echo deiner Frage hallt noch leise nach und auch wenn ich nicht reden kann, so kann ich zumindest handeln.
Ich umarme dich still und lasse die Tränen laufen, als würde der Vorrat an Flüssigkeit nie zuneige gehen.


Das Papier verlinken 16.1.10 15:38, kommentieren

Komm, ich zeig dir was




Wir sitzen nebeneinander und lehnen entspannt an der Wand. Wir reden schon seit gefühlten Stunden. Keine wirklichen Themen. Viele Sprünge, viel belangloses und doch wichtiges. Ich fühle mich wohl und du ebenso – das kann ich spüren. Mit den Füßen schiebe ich den Sand zu einem kleinen Haufen zusammen. Wir reden, sehen uns nicht an, aber sind uns so nah, als würden wir uns ohne Unterbrechung in die Augen schauen. „Sollen wir etwas zusammen kochen, wenn wir bei mir sind?“ „Klar, wenn deine Eltern nicht da sind, müssen wir es schon ausnutzen.“ Ich erzähle dir nicht, dass ich nur selten gerne zusammen koche. Ich bin oft eigen und lasse mir ungern durch den Brei rühren. Aber es ist nicht schlimm, bei dir ist das Gefühl irgendwie anders. Ich fasse nach rechts und bekomme deinen Arm zu greifen. Mit meinen Fingern wusel ich über deine Hand. „ Ich möchte dir etwas zeigen.“ Ich stehe auf und ziehe dich dabei wie selbstverständlich mit nach oben. „Na los, komm schon!“ Ich bücke mich, nehme eine Kerze mit, die immer brennt. Eine reicht aus, dieser Ort brauch nicht mehr. Gemeinsam gehen wir minutenlang durch kühle Schächte. Das Kerzenlicht flackert vor meinem Gesicht und zieht an der Flamme schwarze, dünne Rußschwaden hinter sich her. „Wohin gehen wir?“ Deine Stimme scheint zu zittern. „Warte es ab!“, und während ich das sage, ziehe ich dich an der Hand mit mir mit. Minuten vergehen. „Da! Wir sind da.“ „Und nun?“ Ich nehme deine Hand und zieh sie nach vorne in die scheinbare Dunkelheit. Sanft lege ich sie an die raue Oberfläche. „Fühlst du es?“ Deine Finger gleiten über altes, splitterndes Holz. „Was ist das?“, murmelst du verwundert und tastest dich mit beiden Händen an der Fläche entlang. Schließlich bekommst du eine schwere, eiserne Klinke zu fassen. Du drehst deinen Kopf zu mir und fragst wiederholt: „Was ist das?“ Eine Tür? Hier?“ Ich nicke eifrig und schaue dich mit funkelnden Augen an. Deine Hand liegt ruhig auf der Klinke. „Weißt du, was dahinter ist?“ „Nein, ich habe keine Ahnung. Vor einigen Tagen habe ich sie entdeckt.“ „Worauf warten wir?“, und kaum hast du den Satz zu ende gesprochen, drückst du die Klinke einige Millimeter nach unten. Reflexartig schlage ich dir auf die Hand. „Nein! Nicht! Wir wissen doch gar nicht, was dahinter sein könnte. Wer weiß was passiert. Vielleicht stürzt die Decke über uns ein und alles bricht zusammen!“ „Sue, hier gibt es keine Decke.“ „Mensch!“, zische ich und schubse dich leicht an der Brust. „Du weißt doch genau, wie ich das meine. Hier kann alles passieren.“ „Oder nichts.“ „Oder alles.“ „Vielleicht hast du recht.“ „Ja, vielleicht.“ Ängstlich ziehe ich dich an der Hand zurück in die große Halle. Wir bleiben stehen und schauen uns an. „Ich würde es zu gerne wissen.“, sagst du. „Ja, ich auch. Zu gerne.“ Und beide lächeln wir voller Neugier.

1 Kommentar Die Löwin verlinken 16.1.10 19:48, kommentieren

   Sue und Fero  

Ein Herz und eine Seele.

 

Das Papier verlinken 16.1.10 19:59, kommentieren

Hinter der Tür




 

„Kopf oder Zahl?“ „Zahl!“, sagst du mit fester Stimme. Die Zahl sollte entscheiden. Bei Kopf würde die Neugier nie gestillt werden. Die Münze, auf meinem Daumen liegend, schnippse ich in die Luft. Beide schauen wir ihr nach und alles scheint in Zeitraffer abzulaufen. Langsam prallt sie auf den Betonboden, rollt einige Meter nach vorn, dreht sich und fällt klirrend auf eine der beiden Seiten.



   Wechselhaft    

Und ich werfe dir die Münze des Glücks, denn es führt kein Weg zurück.


Wie von einer Tarantel gestochen springen wir auf, und eilen zu dem Geldstück. Du grinst breit zu dem funkelnden Silber. „Hah! Zahl!“, rufst du laut und es hallt in sämtliche Richtungen. „Also gut. Gehen wir.“ Auf dem Weg zu der hölzernen Tür, werden unsere Knie immer weicher. Schließlich sind wir da. „Und nun?“, frage ich unsicher und ergreife deine Hand. „Wenn wir nicht nachschauen, werden wir es nie erfahren.“ „Ja, vielleicht hast du recht.“ „Ja, vielleicht.“ Einige Minuten stehen wir da und starren wie gebannt auf die Tür. „Also...“, ich schrecke auf. Wie in Trance war ich auf die eiserne Klinke fixiert. „Also.“, ich wiederhole deine Worte, „Zusammen?“ „Zusammen.“ Gleichzeitig, aber zögernd, legen wir unsere Hände auf den Türgriff. Als wir sie nach unten drücken, ertönt ein leises Quietschen. Wir öffnen sie einen kleinen Spalt und es fühlt sich an, als würde von Innen Jemand dagegen drücken. Aus dem Spalt wird ein kleiner Zettel geblasen. Er fällt langsam in rotierenden Bewegungen auf den Boden. Wir haben beide den gleichen Gedanken, lassen von der Klinke ab und wollen uns zu dem Zettel nach unten beugen. Plötzlich schnellt die Tür rasend auf. Ich springe zur Seite und presse mich an die Wand. Die Tür erwischt dich mit voller Wucht und schlägt dich auf den Boden. Tausende Zettel schwärmen aus dem Raum hinaus, wie eine ganze Kolonie von Fledermäusen. Überall ist Wind. Wind und Zettel. Es tobt in meinen Ohren. Du liegst auf dem Boden und hältst dir die Hände vor dein Gesicht. So plötzlich wie der Sturm kam, ist er auch vorbei. Eine unheimliche Stille erfüllt den Ort. Mein Atem geht schnell. Ich beuge mich zu dir und helfe dir wieder auf die Beine. „Bist du okay?“ „Ja, aber was zum Teufel war das denn?“, fragst du völlig verwirrt. „Ich weiß es nicht. Wirklich nicht.“ Der Wind hat die einzige Kerze die wir haben ausgeblasen. „Ich seh' nichts.“, flüster ich dir zu. „Komm, in der Halle sind Streichhölzer.“ Zusammen tasten wir uns an der Wand entlang. Der Boden fühlt sich seltsam an. Durch das seichte Licht siehst du die Streichhölzer sofort. Du zündest die Kerze an. Schwefel liegt in der Luft. Während du das Streichholz löschst, entdecke ich die vielen Zettel. Sie sind überall verteilt. „Fero?“, und noch bevor du reagieren kannst, entdeckst du sie ebenfalls. „Was ist das?“, frage ich dich. Du beugst dich nach unten und hebst einen der schwarzen Papierfetzen auf. „Da steht etwas.“ Mit der Kerze verschaffst du dir mehr Licht. „Lies ihn laut vor!“ Weiß auf schwarz – auf dem Boden der Tatsachen, an dem keine Unwahrheit lange bestehen kann.


   Bis zum Ende ehrlich  

Wir bereuen nichts.



Die Löwin verlinken 16.1.10 22:48, kommentieren

Die Sache mit dem zweiten Zettel






Asche fällt aus meiner Hand. Die Kerze flackert ruhig und geduldig. Der schwarze Zettel hingegen fliegt unruhig in winzigen Teilen aus meiner Hand und die weißen Buchstaben, zerissen aus ihren Sätzen, tanzen durch den Raum und verschwinden. Wir beide schauen den grauen Partikeln hinterher. „Was war denn das?“, fragst du erstaunt. „Diese Nachricht zerstört sich von selbst.“, zitiere ich und erkläre: „Das ist wie bei Mission Impossible! Eine Sicherheitsmaßnahme.“„Seltsam ist das trotzdem.“, fügst du mit einem komischen Gesichtsausdruck hinzu.

„Bis zum Ende ehrlich - Wir bereuen nichts.“, wiederhole ich nachdenklich und füge murmelnd hinzu:„Wahrheit auf Papier.“, doch den Sinn meiner eigenen Worte verstehe ich erst später. Der Zettel gleitet aus meinen Händen und landet in einem schwarzen Meer aus ihnen. Der ganze Fußboden ist voll damit, so weit ich sehen kann. Ein unheimlicher Teppich. „Was sind das für Zettel, Fero? Was bedeutet das?“, fragst du mich und ich schaue dich mit einem Schulterzucken im Kerzenschein an. „Ich habe absolut keine Ahnung. Aber ich habe ein ungutes Gefühl dabei.“, antworte ich - wie immer ehrlich. Obwohl der Boden durch die ganzen Zettel jetzt weicher ist, scheint ein unsichtbares und trotzdem schweres Gewicht auf dem Raum zu lasten. Das Gewicht von Wahrheit. „Lies noch einen vor!“, sagst du neugierig und ich bücke mich zögernd nach einem Zettel und hebe einen beliebigen auf. Er fühlt sich weich an, auf jeden Fall nicht nach Papier, eher eine seltsame Art Stoff oder Pergament. Und dann merke ich, dass mein trübes Gefühl im Magen seinen Grund hat und ich ihn gerade in den Händen halte.

   Unwissenheit ist ein Segen  

Sie weiß alles. Alles.


Du schaust mich ungeduldig fragend von der Seite an: „Und, was steht drauf? Lies vor!". Meine Augen starren auf das Stück Wahrheit und die Buchstaben zittern hektisch, bis der Zettel mit einem Mal wieder zu Staub zerfällt und die Asche ruhig zu Boden schwebt. „Es reicht also, den Text in Gedanken vorzulesen.“, flüstere ich. „Was stand denn nun auf dem Zettel?“, möchtest du wissen und ich beiße mir auf die Unterlippe. Ich ignoriere deine Frage: „Wie sollten vorsichtig mit den Zetteln sein. Es scheint mir keine besonders gute Idee, wenn wir sie alle auf einmal lesen.“. „Fero...Was stand auf dem Zettel? Sag es mir.“, sagst du in einem ruhigen, aber etwas unsicheren Ton. Ich erzähle es dir und dann hast du das gleiche Starren wie ich, weil wir beide die Zettel verstehen. „Es sind Wahrheiten. Nicht schwarz auf weiß, aber weiß auf schwarz.“, sage ich. Du nickst. Unwissenheit ist ein Segen.

Stunden später sitzend wir angelehnt an der Wand. Die Kerze ist erloschen, es ist wieder dunkel. „Sue?“, das Wort stolpert in die endlose Schwärze. „Hm?“ „Ich habe Angst. Ich habe Angst vor den Zetteln. Das waren erst zwei Stück. Ich weiß nicht, ob ich damit zurechtkomme.“. Du schweigst lange. „Es ist nur die Wahrheit.“, sagst du schließlich und greifst vertraut nach meiner Hand. Die Frage ist, ob wir beide so viel Ehrlichkeit verkraften können.

Ich schaue mich um. „Das ist der Boden der Tatsachen.“, flüstere ich. Schwarze Zettel wie ein Teppich auf kaltem Betonboden. „Der Boden der Tatsachen.“, wiederholst du. Ein guter Name für diesen Ort.

Das Papier verlinken 18.1.10 09:37, kommentieren