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Herzensbilder

(Teil 4)





Ein buntes Farbenmeer schwebt an der Hallendecke, die eigentlich ein Himmel ist. „Sue, das ist wirklich ein wunderschönes Geschenk.”, sage ich staunend und kann noch immer nicht begreifen, wie aus so einem kleinen Kästchen so viel Schönheit kommen kann. „Manche Dinge kann man nicht erklären, sie passieren einfach.”, erzählst du und hast dabei ein Lächeln auf den Lippen. „Fero, ich könnte ewig diese Lichter betrachten.”, deine Augen sind von der Aurora gefesselt. In diesem Augenblick löse ich mich von diesem Spektakel. Ich merke, dass mein Mund noch immer offen steht und schließe ihn mit einem leicht rot werdenen Kopf. Du kannst einfach nicht aufhören, an die Decke zu starren und das löst in mir etwas aus. Erst ist es nur ein juckender Gedankengang, so wie ein Mückenstich auf dem Rücken, doch dann entschließe ich mich zu etwas.

Ich schließe das Kästchen und das Licht stirbt.

Mit dem Licht stirbt auch dein Lächeln und du schaust mich fragend an. „Fero, warum machst du das?”, in deinem Blick liegt eine leichte Traurigkeit, fast so, als hätte ich dir weh getan. Meine Augen blicken sanft in deine und die Traurigkeit weicht etwas, wenn auch nicht ganz. Ein Flüstern schleicht sich aus meinem Mund. „Weil wir das nicht mehr brauchen.”, dein Blick formt sich zu einer Frage und ich gebe die Antwort dazu: „Die Nordlichter sind wirklich wunderschön, keine Frage. Sie sind wunderschön, meine Augen haben jeden einzelnen Farbton gesehen, jede einzelne Veränderung und ihre Schönheit in allen Zügen genossen. Doch jetzt brauche ich all das nicht mehr. Ich habe es schon gesehen und nun ist dieser Anblick, diese Erinnerung tief in meinem Herzen. Du hast mir ein schönes Geschenk gemacht, wenn nicht sogar das schönste und dafür bin ich dir unglaublich dankbar. Manchmal, da bin ich in solch einem Tief gefangen und sehe keinen Ausweg mehr. Aber jetzt kann ich mich jedes Mal in solchen Momenten an die Polarlichter erinnern. Sie werden mich aufheitern, ganz bestimmt. Die Bilder sind in meinem Herzen und deswegen brauchen wir sie nicht mehr sehen.”, erkläre ich und stecke das Kästchen in meine Hosentasche.

Endlich weicht die anfängliche Traurigkeit aus deinen Augen und das Lächeln kommt wieder zum Vorschein. „Das hast du schön gesagt. Und du hast Recht. Wir brauchen das alles nicht sehen, die Bilder sind nun in unserer Erinnerung.”, sagst du und betrachtest noch einmal die Hallendecke, die nun wieder ihre endlose Schwärze präsentiert. „Ich weiß, dass dort ein wunderschöner Himmel ist, genauso wie sich die Sonne oft hinter dicken und grauen Wolken versteckt. Die Sonne ist vielleicht nicht mehr zu sehen, aber sie ist noch da, genauso wie die Lichter.”, lächelnd kommen die Worte aus deinem Mund und mit ihnen fange auch ich an zu lächeln.

„Die Erinnerungen bleiben in unseren Herzen.”, flüstere ich wiederholend und schließe die Augen.

Du hast mir das schönste Geschenk dieser Zwischenwelt gemacht und nun möchte ich dir etwas zurück geben.

1 Kommentar Das Papier verlinken 1.2.10 10:05, kommentieren

Der Traumbringer

(Teil 5)





„Sei doch nicht so ungeduldig, Sue!”, sage ich lächelnd, während du vor Aufregung kaum auf dem Boden sitzen bleiben kannst. „Du hast mich aber neugierig gemacht!”, antwortest du mit gespielter Empörung und lächelst mich an. Ich liebe es, deine Neugier auszureizen, damit zu spielen und dich damit zu ärgern und du lässt dich auch noch leicht ärgern. „Das ist nicht fair! Ich habe auch nicht so ein großes Geheimnis daraus gemacht.”, die Ernsthaftigkeit bleibt in diesem Satz auf der Strecke. „Ich weiß, aber ich habe nie gesagt, dass ich fair bin.”, ein feistes Grinsen schleicht sich auf mein Gesicht und ich sitze weiterhin ruhig neben dir und schweige ein paar Momente lang.

„Schließ mal die Augen.”, flüstere ich und füge schmunzelnd hinzu: „Und nicht luschern!”.

Ich schließe mit dir die Augen und genieße die Stille in den Weiten der Halle. Manchmal hört man ein leises Rascheln von schwarzen Stoff, doch sonst ist es unglaublich still. Ich kann sogar deinen Atem hören und höre ihm ein wenig zu. Ich höre gerne Anderen beim Atmen zu, es vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit. Letztens, vor einiger Zeit, da habe ich zwei Zettel gelesen - Du hast währenddessen geschlafen.


   Ich höre dir zu  

Ich lege mein Ohr auf deine Brust und
dein Herz schlägt im sanften Rhythmus.
Ich fühle mich lebendig.


   Du hörst mir zu  

Dein Kopf liegt auf bequemen Kissen
dein Verstand schwirrt leise durch den Raum
nie wieder willst du Töne missen
ergibst dich diesem stillen Traum.


Meine Gedanken treiben vor sich hin und ich schlafe fast ein, während du noch auf etwas Besonderes wartest. Langsam und lautlos stehe ich auf und verschwinde im Dunkeln. Ich verlange oft von dir Geduld und auch dieses Mal behälst du die Ruhe und wartest so lange auf mich, bis ich dich von deinem Warten erlöse.

Ich komme zurück aus dem Dunkeln, halte etwas in der Hand und setze mich wieder neben dich.

„Sue? Ich möchte mich revanchieren.”, flüstere ich und ein erster Ton entspringt dem Instrument in meinen Händen. Deine Augenlider entspannen sich etwas und fängst an zu träumen, als weiter Töne dem Ersten folgen. Ich singe nicht dazu, das kann ich nicht sonderlich gut, aber dir reicht das Gitarrenspiel. Manchmal summst du mit, wenn sich ein bestimmter Teil wiederholt, aber die meiste Zeit liegst du ruhig auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und schaust mit geschlossenen Augen der Aurora der Hallendecke zu.

„Fero? Weißt du was du bist, wenn du mir etwas vorspielst? Du bist ein Traumbringer. Immer wenn du spielst, fange ich an zu Träumen und vergesse die Welt. Du bist der Traumbringer.”, flüsterst du leise, als das Instrument nach einer Ewigkeit verstummt und schläfst träumend ein.

Das Papier verlinken 2.2.10 14:42, kommentieren

 Du brauchst nicht rufen



Es ist schon einige Tage her, doch die Melodie klingt noch immer in meinen Ohren. Wir beide waren in diesem Moment völlig zufrieden. Doch in wenigen Tagen kann viel passieren. Zu viel.

Jetzt sitzt du vor mir, mit Tränen in den Augen und gebrochenem Herzen und ich versuche es langsam und für dich unmerklich zu flicken. „Ich bin für dich da, Fero. Das weißt du genau.“ Ich halte deine Hände und lasse sie nicht los. Das habe ich nie. Du bist erschöpft und ich versuche dir Kraft zu geben. Kraft, die ich selbst kaum besitze.

„Bald werde ich dir alles erzählen. Schließlich sind wir immer ehrlich - bis zum Schluss.“ Jetzt bist du erstmal dran. Ich werde dich stützen und dich nicht alleine lassen. Abends ist es immer am schlimmsten. Keiner weiß, woran es liegt. Aber ich bin da, nicht nur nachts.
 


   Immer  

Du bist nicht allein.
Ich bin immer hier, um da zu sein.

1 Kommentar Die Löwin verlinken 3.2.10 18:07, kommentieren

 Die Dinge verändern sich






Es ist kalt. Ich umklammere meine Beine mit beiden Armen. Ein Surren und Wind umspielt die auf dem Boden liegenden Zettel. Stumm sitzt du neben mir, während ich mir eine Träne von der Wange wische. „Die Dinge haben sich verändert“, murmel ich fast unverständlich und suche dabei deine Blicke. Du schaust schweigend auf den Boden und weißt einfach nichts mehr zu sagen. Es wurde schon so viel gesagt und immer wieder drehen wir uns im Kreis. Kein vorankommen mehr. Du siehst müde, erschöpft aus. Bist kaputt von den vergangenen Tagen. Nein, den vergangenen Wochen.

„Armer Träumer.“, sage ich flüsternd und setze mich mit letzten Kräften neben dich. Sonst, wenn wir so nebeneinander saßen, konnten wir uns Wärme geben, ohne einander zu berühren. Es funktioniert nicht mehr. Ich streiche dir über die kalte Haut und kann die Tränen wieder nicht zurück halten. Ich weiß, du bist gebrochen und deine kühle Fassade baust du dir nicht auf, um mich zu quälen, sondern weil du einfach nicht anders kannst.

 

   Schweigend    
Nichts ist lauter, als der Schrei der Stille


Ich atme tief ein. Die Luft riecht nach Moder und Staub. Vor uns steht die Kerze, die wie immer sanft leuchtet. Das einzig warme, in diesem Raum. Meine Hände balle ich zu Fäusten, kneife die Augen zusammen und fasse einen Entschluss, der nachdem man ihn ausgesprochen hat, nicht mehr rückgängig zu machen ist. Ich greife nach deiner Hand. „Fero?“, frage ich mit möglichst fester Stimme. „Du musst mir nun zuhören, dich einen Moment konzentrieren. Auch wenn dir das zur Zeit schwer fällt.“ Mit müden Augen schaust du direkt in meine. Wenn du mir direkt in die Augen gesehen hast, war dort meist ein Funkeln. Nun sind sie matt und irgendwie farblos. „Ich möchte für dich da sein. Voll und ganz. So wie es jetzt ist, kann ich das nicht. Du siehst doch, wie es immer wieder endet. Ich möchte nicht mehr schweigend neben dir sitzen. Schweigen und innerlich schreien wollen. Das tut uns beiden weh und bringt uns am Ende nur auseinander. Herz und Seele müssen sanft zueinander sein. Liebevoll und ehrlich. Nicht hart und ehrlich. Aber so? So kann ich das nicht mehr. Ich habe einen Entschluss gefasst.“

Ich halte dich fest bei den Händen und dein Blick scheint sich ein wenig zu verändern. Du bist aufmerksam, weichst nicht von meinen Augen ab. „Ich werde nicht mehr deine Löwin sein. Nicht in dem Sinne, dass ich um alles kämpfe. Ich bleibe deine Löwin, aber als treuer Gefährte, der für dich kämpft aber nicht für die Liebe zu dir.“ Ich streiche mir eine Strähne der blonden Locken aus dem Gesicht und versuche mit trockenen Augen weiter zu sprechen. „Fero, ich gebe auf. Hörst du? Es ist vorbei, ich höre auf zu kämpfen, zu warten und zu hoffen. Ich bleibe an deiner Seite, lasse dich nicht los, nie. Du darfst mich nicht falsch verstehen. Ich bleibe dein Herz und deine Seele gleicher Maßen. Und den Vertrag auf Lebenszeit, den hast du noch immer.“ Ich lege meinen Kopf zur Seite und ziehe kurze die Augenbrauen zusammen, da ich nun die Verspannung meines Nackens deutlich spüre. „Ich kann nur für dich da sein, dein Herz flicken, wenn ich selbst nicht immer wieder in die Wunde eindringen möchte, um mich hinter rotem Garn fest einzuweben. Du sollst wieder lächeln, irgendwann. Und ich möchte, dass du mich ansiehst und mir dann einmal sagst, dass ich dir dabei geholfen habe. Aber wenn ich nicht loslasse, wird das nie der Fall sein. Du fühlst dich nicht wohl bei mir, weil wir in gegensätzliche Richtungen gerudert sind, aber das wird nun aufhören.“

Das Surren, welches durch den Raum dringt wird lauter, fast beruhigend. Ich ziehe dich in meine Arme, ob du es willst oder nicht und halte dich fest. „Es ist vorbei.“, sage ich mit ruhiger Stimme. „Ich werde kein Ballast mehr sein, ich bin ab heute der Mensch, der mit dir kämpft aber nicht mehr um dich. Ich bin für dich da. Nun voll und ganz – glaube mir, bitte.“

Die Löwin verlinken 4.2.10 12:11, kommentieren

 Seifenblase

 


 

„Hast du schonmal Seifenblasen fliegen lassen?“ Mein Lächeln wirkt warm und wird mit jeder Sekunde breiter. „Klar, schon oft.“ „Auch hier?“ Du schüttelst den Kopf und beobachtest mich, wie ich ein kleines Fläschen mit Seifenblasenflüssigkeit aus meiner Tasche grabe. Das Gefäß ist grün mit verschieden farbigen Streifen. Ich tauche den Stiel in die Flüssigkeit, hebe ihn vor meinen Mund und vorsichtig puste ich gegen den tropfenden Ring, der Flecken auf meiner Hose hinterlässt. Eine einzelne Seifenblase tanzt durch den Raum. Sie schillert in bunten Farben, die wir durch die Kerze gut erkennen können. Kein Windzug. Sie schwebt ruhig und lange. Ich lege mich neben dich und gemeinsam beobachten wir, wie sie über unseren Köpfen, immer wieder die Farbe wechselt. „Aurora.“, murmelst du leise und ich nicke dir zu, auch wenn du es nicht siehst, da du deine Augen nicht von der Seifenblase lassen kannst.

Ich bin erschöpft, von den letzten Tagen. Nur für einen kurzem Moment, möchte ich die Ruhe genießen, aber ich schlafe zu schnell ein.

~ Keuchend kommen wir auf dem Kirchendach an. Die Hände zittern leicht. Gemeinsam gehen wir nach draußen, während ich deine Hand halte. Wir schauen über die Stadt. Es ist kalt und windig. Alles funkelt und die buntesten Lichter sind zu sehen. Jede erdenkliche Farbe. Zwischendurch sieht man Autos in weiter Ferne entlang fahren. Norden, Osten, Süden und Westen. Ich wechseln den Standort um Windstill zu stehen. Deine Jacke ist dünn, du musst furchtbar frieren. Du legst deine Arme um mich, wir küssen uns nur kurz. Ein Wochenende zusammen. Und gemeinsam schauen wir über die Stadt, wenn auch nicht kopfüber - aber gemeinsam. ~

Ich wache auf. Meine Hände zittern, die Seifenblase ist zerplatzt aber du lächelst mich zufrieden an. Ich habe Tränen in den Augen, die ich schnell unterdrücke. „Es war schön.“, sage ich zu dir und ich sehe dir an, dass du weißt, dass ich meinen Traum meine. „Wo waren wir?“ „Über der Stadt.“ Ich halte deine Hand und du siehst mir in die Augen. „Es ist schon besser so.“ und während ich das flüster, mache ich eine beiläufige Handbewegung. „Du bist ein guter Freund. Mein guter Freund.“ Ich drücke dir das Seifenblasenglas in die Hand und deute an, dass du nun dran wärst. Mit einem Lächeln im Gesicht, formst du die nächste schillernde Blase und gemeinsam träumen wir, durch den sonst so tristen Raum.

1 Kommentar Die Löwin verlinken 7.2.10 16:49, kommentieren

Die Zetteltür

 

 


 

 

Du erinnerst dich sicherlich daran. An die Tür, die wir damals gemeinsam geöffnet haben und an die ganze Flut an Wahrheiten die sie mit sich gebracht hat. Ich bin ein Träumer, nicht gemacht für diese Wahrheiten. Die Realität ist eine Sache, doch die Wahrheit nochmal ein ganz anderes Kaliber.

Du schläfst und träumst von Seifenblasen. Ich sehe es daran, weil du noch im Schlaf versuchst, neue Blasen mit deinem Mund durch den unsichtbaren Stiel zu pusten. Die letzte Zeit hat uns arg mitgenommen, es war ein ziemliches Gefühlschaos, das uns beide sehr viel Kraft gekostet hat. Wir sind ein Herz und eine Seele, aber was ist eine Seele, die nicht mehr für das Herz da sein kann? Ich kann es nicht mehr, mein Kopf ist zu schwach zum Denken und mein Herz ist zu schwach zum Kämpfen - egal wie viel Kraft du mir gibst.

Ich habe einen bitteren Entschluss gefasst.

Lautlos stehe ich auf, bin so vorsichtig wie noch nie, weil ich deinen Schlaf nicht stören will. Ich will es nicht komplizierter und vor allem schwerer machen, als es ist. Mit einem „Ich gehe.“ würdest du nicht zurechtkommen. Ein letztes Mal sehe ich dich friedlich unsichtbare Seifenblasen pusten, du schenkst mir mit diesem Anblick ein kleines Lächeln und in diesem Moment zeigst du mir, dass auch Seelen ein Herz haben. Denn in diesem Moment zerbricht es und dabei singt es eine leise Melodie.

 

Was ist mit dir los?
Wo ihr doch so glücklich wart,
Rücken an Rücken gegen die Welt.


Bevor mein Verstand in seine letzten Stücke zerfällt, verlasse ich dich und diesen Ort und schütze damit uns beide, auch wenn es dir ein ozeangroßes Loch in dein Herz reißen wird. Du erinnerst dich sicherlich an die Tür von damals. Leise rascheln die Zettel unter meinen Füßen, sie scheinen nervös zu sein. Ich gehe weiter, entferne mich von dir und nähere mich gleichzeitig der Tür. Als ich sie erreiche, fange ich schon wieder an zu schwanken, bin unsicher, ob das der richtige Weg ist, ob es sowas wie einen "richtigen" Weg überhaupt gibt. Ich schließe fest die Augen und öffne die Holztür, sie kommt mir übermäßig stark entgegen, lädt mich ein, ich springe hinein und schließe sie hinter mir.

Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war, aber es ist die einzige Lösung, die mir eingefallen ist. Es tut mir leid, Sue.

Das Papier verlinken 8.2.10 10:01, kommentieren

Regungsloses Warten


 

Und als ich bemerke, dass du weg bist, ich an unsichtbaren Wänden meine Fäuste blutig geschlagen, Zettel zerrissen und Wunden verursacht habe, setze ich mich neben die kalte Tür und warte. Bis zum Schluss.

Die Löwin verlinken 8.2.10 12:23, kommentieren