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Warme Sekunden 

 

 

 

Das Herz ist kalt von außen und innen ganz warm. Das Pulsieren dumpf, wie Unterwasser. Ebenso wellenartig dringt es nach außen und schallt durch die große Halle. Ich summe diese Melodie, die ich nicht mehr wirklich kenne und die mich doch seit Tagen, nein Wochen, begleitet. Noch immer kenne ich diese Zeichen nicht, du sprichst nicht darüber und musst es auch nicht. Die kleinen Härchen an meinem Körper richten sich auf. Meine Augen sind müde und schwer. Wärme, ich wünsche mir Wärme. Meine Sicht verschwimmt.

~ Der Rand ihres roten Kleides ruht auf ihrem Knie. Sie wischt sich mit dem linken Handrücken den Schaum von der Oberlippe, streift sich eine Strähne aus dem Gesicht, öffnet das kleine Buch mit fehlender Rückseite und beginnt den vor ihr liegenden Marktplatz zu zeichnen - so wie jeden Samstagnachmittag. Er beobachtet sie von dem schattigen Platz ganz hinten, während sie in der Sonne sitzt und ihr immer wieder eine dunkelblonde Locke über die Schulter fällt, die sie zurück streift. Sie zeichnet den Marktplatz jeden Samstag und trinkt einen Milchkaffee, außer bei Regen, hörte er sie irgendwann einmal einem Kellner erzählen. Jeden Samstag, denn auch wenn jedes Mal das gleiche passiert, so ist jeder Samstag anders und vielleicht ein Stück schöner. Jeden Samstag, sitzt der Obstverkäufer gelangweilt in seinem braunen Stoffstuhl, da er nie so schöne Erdbeeren haben wird, wie die leicht verrückte Dame neben dem Brunnen unter dem gelben Sonnenschirm. Auch das alte Ehepaar steht dort jeden Nachmittag mit jeweils einer Tüte Eis in der Hand. Er Schokolade, sie Zitrone, da es sie so an ihre Kindheit erinnert. Und doch, ist irgendwie alles anders. Sie möchte nichts verpassen, hörte er sie erzählen. Er hat sich in sie verliebt. Schon vom ersten Tag an. Und sie weiß, dass er da ist. Wie jeden Samstagnachmittag. Manchmal lächelt sie ihn kurz an, wenn sie aufsteht und das Café verlässt. Heute würde er sie küssen. Einfach so. Als er das klirrende Geräusch ihres Bleistiftes hört, nutzt er den letzt' möglichen Moment, steht auf, geht zu ihr, beugt sich nach unten und drückt ihr einen Kuss auf die Wange. Sie holt aus, schlägt ihm verärgert ins Gesicht und bevor sie oder er etwas sagen können, eilt sie davon. Zuhause angekommen, greift sie hastig zum Telefon und ruft aufgeregt ihre Cousine an. „Du glaubst es nicht!“, sie holt tief Luft, lässt ihr kleines Buch an den Tisch schlagen und seufzt laut. „Heute hat er mich endlich geküsst!“ ~

Ich zucke zusammen, blinzel und reibe mir einmal über die Augen. Kurz muss ich lächeln. Bis mir wieder diese unerträgliche Gänsehaut auffällt. Es scheint ruhig zu sein. Mein Herz voller Liebe und doch fehlt ein winziges Puzzleteil. Ich möchte Sommer haben, denke ich. Mit den Fingern fahre ich über einige Zettel. Das Pulsieren schreitet voran.

„Ich vermisse dich, Fero.“
, murmel ich leise über die Papierfetzen hinweg.

Die Löwin verlinken 11.3.10 17:45, kommentieren