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Der Orchideengarten

 

 

 

Du schläfst und ich lächle. Es ist das Pulsieren, dass dich aufwachen lässt. Mit müden Augen schaust du zuerst in mein Gesicht und dann in die Halle, bis dein Mund leise murmelt:,,Was ist denn los?". Deine Augen öffnen sich ganz, weil du merkst, dass irgendetwas passiert, aber ich halte ruhig deine Hand und lächle weiter. Ich weiß, dass du für einen Augenblick mich schräg anschaust, als hätte ich den Verstand verloren.

,,Du weißt, dass dieser Ort nicht für Unwahrheiten gemacht ist." - die Zettel fangen wild an zu rascheln und die endlose Schwärze verdichtet sich. ,,Nichts bleibt lange erhalten.", füge ich hinzu. ,,Zumindest nicht Unwahrheiten.", deine Hand schließt sich fest um meine und ich behüte sie fest mit meinen.

,,Ich habe lange überlegt, was für eine Überraschung ich dir machen könnte.", fahre ich fort und denke an das Geschenk, was du mir gemacht hast. Den wundervollsten Schatz, den man jemanden schenken kann. ,,Und im Endeffekt hast du mich auf diese Idee gebracht.", das Pulsieren ist jetzt deutlich zu spüren, genauso wie ich deine Gänsehaut spüre. ,,Dieser Raum ist für keine Unwahrheiten gemacht. Doch was ist mit Wahrheiten?"

Langsam fängt es an: Ein Zettel nach dem Anderen richtet sich auf, rollt sich zusammen, fällt wieder zu Boden und richtet sich wieder auf. Jedes Mal bleiben sie etwas länger stehen, bis schließlich ein ganzes Meer aus Papier sich aufgerichtet hat. Die Schwärze verschwimmt, die Decke der Halle dehnt sich bis in die Unendlichkeit aus und das Pulsieren ist nun schon zu hören. Ich höre dich flüstern:,,Was machst du, Fero? Was machst du denn?", doch ich lächle weiterhin und mag die Überraschung nicht verderben.

Dann kommen die Farben. Die Hallendecke schnellt zurück und nimmt eine Mischung aus blauen und metallischen Farben an, die Zettel färben sich intensiv Grün. Und überall sind weiße, lilane und gelbe Farben. Einen Augenblick dauert ist, bis alles an Schärfe gewinnt und die Farben ihre endgültige Nuance erreicht haben, doch als der Raum seine Verwandlung beendet hat, kannst du nicht mehr auf dem Boden sitzen bleiben und stehst mit einem ungläubigen Blick in deinem Gesicht auf.

,,Du sagtest, dieser Ort wäre für Unwahrheiten nicht gemacht. Und deshalb habe ich die reinste Wahrheit genommen, die ich finde konnte und habe dir daraus diesen Raum erdacht.", erkläre ich. Überall sind Blüten, Orchideenblüten. Die schwarzen Zettel sind zu saftigen Gras geworden. Wir stehen in einem riesigen Gewächshaus, voller Orchideen. 

,,Ich weiß, dass du gerne solch einen Garten hättest und wenn du schon keinen richtigen haben kannst, dann wünschen wir uns eben einen und füllen diesen Raum mit unseren Wünschen.", auf unseren beiden Gesichtern strahlt ein warmes Lächeln. Es ist wunderschön, dich wieder lächeln zu sehen und es ist ein wunderschönes Gefühl, dass wir beide zusammen lächeln können. Es ist ein Gefühl, dass ich lange vermisst habe und nie wieder missen möchte.

,,Sue? Ich möchte dir noch etwas sagen."

 

  Herzenswahrheit 

Ich liebe dich,
so sehr ich kann.

 

1 Kommentar Das Papier verlinken 1.10.10 20:30, kommentieren

Geschafft

 

 

Ich ziehe dich an der Hand durch die dunklen Gänge. Mittlerweile kennen wir sie auswendig und selbst mit geschlossenen Augen würden wir den Weg finden. Dieselben Geräusche wie von alten Schuhen aus alten Filmen, die Wand ist noch genauso feucht und hinterlässt krümelige Rückstände an den Fingern. Wir ziehen an einigen Papierfetzen vorbei, die wir durch unseren schnellen Schritt aufwirbeln. Vor der dunklen Öffnung bleiben wir stehen. Es ist die Tür durch die du damals verschwunden bist, die mir noch immer Angst macht. „Bist du glücklich?“, frage ich dich mit keuchender Stimme. Du lächelst mich an und nickst mir entgegen. Ich schaue dir in die Augen und weiß genau, dass du die Wahrheit sagst – auch ohne Zettel. Der Raum bleibt ruhig, kein Beben, kein Blitzen, kein Zorn durchstreift die Gänge. „Wir sollten sie schließen. Wir brauchen sie nicht mehr. Sie führte uns ins Ziel und kann geschlossen werden.“ „Du hast recht, schließen wir sie.“

 

Zusammen legen wir unsere Hand auf die Klinke, so wie wir sie geöffnet haben. Ein kalter Schauer zieht über meinen Rücken, beim letzten Blick in die schwarze Leere hinter der Tür. Wir schließen sie mit festem Druck. Wir schauen beide gebannt auf die geschlossene Tür. Wir haben wohl beide etwas mehr erwartet. Ein Knall, eine Musik oder zumindest ein grollen der Papierfetzen. Doch es bleibt ruhig. Ich schaue dich an und es wirkt ein wenig heller in dem feuchten Gang. Der Geruch verändert sich, so als wenn man es morgens riecht, wenn es am Abend schneien wird. Du nimmst mein Gesicht in deine Hände, drückst mir einen Kuss auf die Lippen und machst anschließend eine Kopfbewegung, die mir sagen soll, dass wir wieder zurückgehen sollten. Wir laufen gemeinsam zurück in die große Halle und werfen noch mal einen Blick hinter uns. Die Tür hinter uns ist verschwunden. Nur noch schmutzige Steine, fest aneinander gereiht. Es ist, als wäre dort nie eine Tür gewesen. Ein friedlicher Geruch liegt in der Luft. Zettel fliegen ruhig durch die Gänge und kommen vor einem Schimmern zum liegen. Wir wissen beide, dass das eine neue Tür ist, die darauf wartet, dass wir sie öffnen. Einer der schwebenden Zettel fliegt uns vor die Füße. Wir können ihn von oben lesen ~ Bei der nächsten Tür, ist Angst überflüssig.~

 

   perfekt   


"In diesem Augenblick ist alles perfekt. Die Weichheit des Lichts, dieser feine Duft, die ruhige Atmosphäre der Stadt."

 

Ruhig laufen wir weiter in die Halle. „Ich liebe dich auch.“, flüster ich dir zu.

1 Kommentar Die Löwin verlinken 28.10.10 20:38, kommentieren