.....
.....
.....
.....
 

Letztes Feedback

Meta





 

Komm, ich zeig dir was




Wir sitzen nebeneinander und lehnen entspannt an der Wand. Wir reden schon seit gefühlten Stunden. Keine wirklichen Themen. Viele Sprünge, viel belangloses und doch wichtiges. Ich fühle mich wohl und du ebenso – das kann ich spüren. Mit den Füßen schiebe ich den Sand zu einem kleinen Haufen zusammen. Wir reden, sehen uns nicht an, aber sind uns so nah, als würden wir uns ohne Unterbrechung in die Augen schauen. „Sollen wir etwas zusammen kochen, wenn wir bei mir sind?“ „Klar, wenn deine Eltern nicht da sind, müssen wir es schon ausnutzen.“ Ich erzähle dir nicht, dass ich nur selten gerne zusammen koche. Ich bin oft eigen und lasse mir ungern durch den Brei rühren. Aber es ist nicht schlimm, bei dir ist das Gefühl irgendwie anders. Ich fasse nach rechts und bekomme deinen Arm zu greifen. Mit meinen Fingern wusel ich über deine Hand. „ Ich möchte dir etwas zeigen.“ Ich stehe auf und ziehe dich dabei wie selbstverständlich mit nach oben. „Na los, komm schon!“ Ich bücke mich, nehme eine Kerze mit, die immer brennt. Eine reicht aus, dieser Ort brauch nicht mehr. Gemeinsam gehen wir minutenlang durch kühle Schächte. Das Kerzenlicht flackert vor meinem Gesicht und zieht an der Flamme schwarze, dünne Rußschwaden hinter sich her. „Wohin gehen wir?“ Deine Stimme scheint zu zittern. „Warte es ab!“, und während ich das sage, ziehe ich dich an der Hand mit mir mit. Minuten vergehen. „Da! Wir sind da.“ „Und nun?“ Ich nehme deine Hand und zieh sie nach vorne in die scheinbare Dunkelheit. Sanft lege ich sie an die raue Oberfläche. „Fühlst du es?“ Deine Finger gleiten über altes, splitterndes Holz. „Was ist das?“, murmelst du verwundert und tastest dich mit beiden Händen an der Fläche entlang. Schließlich bekommst du eine schwere, eiserne Klinke zu fassen. Du drehst deinen Kopf zu mir und fragst wiederholt: „Was ist das?“ Eine Tür? Hier?“ Ich nicke eifrig und schaue dich mit funkelnden Augen an. Deine Hand liegt ruhig auf der Klinke. „Weißt du, was dahinter ist?“ „Nein, ich habe keine Ahnung. Vor einigen Tagen habe ich sie entdeckt.“ „Worauf warten wir?“, und kaum hast du den Satz zu ende gesprochen, drückst du die Klinke einige Millimeter nach unten. Reflexartig schlage ich dir auf die Hand. „Nein! Nicht! Wir wissen doch gar nicht, was dahinter sein könnte. Wer weiß was passiert. Vielleicht stürzt die Decke über uns ein und alles bricht zusammen!“ „Sue, hier gibt es keine Decke.“ „Mensch!“, zische ich und schubse dich leicht an der Brust. „Du weißt doch genau, wie ich das meine. Hier kann alles passieren.“ „Oder nichts.“ „Oder alles.“ „Vielleicht hast du recht.“ „Ja, vielleicht.“ Ängstlich ziehe ich dich an der Hand zurück in die große Halle. Wir bleiben stehen und schauen uns an. „Ich würde es zu gerne wissen.“, sagst du. „Ja, ich auch. Zu gerne.“ Und beide lächeln wir voller Neugier.

Die Löwin am 16.1.10 19:48

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen