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Löwe und Bär

 

 

 

In der endlosen Schwärze des Raumes sitzen wir noch immer uns gegenüber, ich auf der einen Seite und du auf der komplett anderen Seite der Halle. Wobei eigentlich ich eher auf der komplett anderen Seite sitze. Du sagtest mal, dass man diesen Raum gestalten könnte, wie man möchte, doch nichts lange erhalten bleibt, weil dieser Raum nicht für Unwahrheiten gemacht ist.

Ich bin hinter der Tür verschwunden, weil dieser Raum nicht für Unwahrheiten gemacht ist und in mir zu viele davon waren. Ich bin verschwunden, um dir nicht weiter weh zu tun, um uns nicht weiter weh zu tun. Und irgendwann bin ich wieder zurückgekehrt, gebranntmarkt mit Buchstaben aus schwarzer Tinte.

Seitdem habe ich nur wenige Worte verloren. Es ist an der Zeit, das zu ändern.

Deine Augen sind matt auf den Boden gerichtet, auf dem sich die Zettel noch immer tummeln und ab und zu leise rascheln. Auch sie sind in letzter Zeit ruhiger geworden, als würde der ganze Raum das Gefühl zwischen uns aufnehmen. Ich mag dir erzählen, was mir auf der anderen Seite passiert ist.

~ Zuerst war da gar nichts. Endlose Schwärze, aber nicht diese sichtbare Schwärze in unserer Halle. Nein, hinter der Tür war es eine erdrückende Schwärze, durch die man nicht mal seine eigene Hand sehen konnte. Die Schwärze war zu ertragen, doch dann fing es an. Erst kam ein Rascheln, ein Zettelrascheln, dann begann das Flüstern, ein schlangenartiges Zischen. Viele Worte und Sätze weiß ich schon gar nicht mehr, doch die meisten finden sich auf meiner Haut wieder. Lügen, Unwahrheiten, die nur hinter der Tür ihren Platz haben, aber nicht auf dem Boden der Tatsachen. Irgendwann wurden die Stimmen lauter, Gelächter kam hinzu, Kritik, Behauptungen. Mir wurde schwindelig. ~

Ich schaue dich an und du wirkst noch immer abwesend. Aber ich sehe ein kleines Leuchten, irgendwo weit hinter den glasigen Augen. Ich erzähle weiter.

~ Dann wurde mir übel. Es war ein Gefühl, als würde mein komplettes Inneres nach außen gedreht werden. Als würde ich mich übergeben und alle Unwahrheiten würden ebenfalls meinen Körper verlassen. Du weißt, dass ich oft geschwiegen habe, wenn du mich Dinge gefragt hast. Ich habe geschwiegen, weil ich die Antwort nicht geben konnte. Weil sie dich verletzt hätte. Und im Endeffekt auch wohl mich selber. Die Stimmen nahmen an Lautstärke zu. Immer weiter, bis es ein Höllenlärm war und mein Kopf vor Dröhnen nicht mehr denken konnte. Dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Ich habe versucht, die Schwärze wieder zu verlassen, doch das ging nicht so leicht. Ich habe den Türgriff nicht mehr gefunden, bin auf Zetteln ausgerutscht, bin getaumelt, habe geweint, gelacht und habe fast den Verstand verloren. Bis ich irgendwann die Tür gefunden habe. ~

Wir schauen uns in die Augen und du flüsterst: „Du bist wieder da.", und ich nicke stumm und in diesem Augenblick dringt ein winzig kleines Leuchten aus meiner Hosentasche. Ich greife nach dem Kästchen und öffne es vorsichtig. Die Sonnenstrahlen erhellen die gesamte Halle und lassen wieder die Aurora an der Decke tanzen. Doch dieses Mal schauen wir beide nicht hin. Du schaust mich mit großen Augen an und ich schaue auf meine Hände und Arme.

Die Tinte verschwindet langsam, als würde das Sonnenlicht die Schwärze vertreiben. Stück für Stück lösen sich die Buchstaben in nichts auf, bis auf drei Worte. Sie halten sich hartnäckig und bewegen sich kein Stück. Wir schauen beide darauf und lächeln ein wenig. 

 

  Löwe und Bär 

Wir sitzen uns gegenüber,
ich bin nachdenklich wie ein Bär
und du kämpfst wie eine Löwin.

 

Das Papier am 27.5.10 10:33

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